König Ludwig II

Freitag, 9. Oktober 2015

Der König ist weg!

1918 endet mit der Bayerischen Revolution von 1918 die 738 Jahre dauernde Herrschaft der Wittelsbacher. König Ludwig III., der letzte König, vom Volk verächtlich "Millibauer" genannt, muss vor der Revolution fliehen.


War lieber Bauer in Leutstetten oder auf der Jagd: König Ludwig III.

Über die eher urkomische als dramatische Flucht des Cousins von Ludwig II. und das Ende der Monarchie, berichtet jetzt ein Hörspiel des ehemaligen QUH-Vorsitzenden Andreas Ammer, das der BR heute, 9.10. um 21 Uhr 05 in BR2 ursendet: "The King is gone" heißt das Stück. Die Musik stammt von den - sonst als "The Notwist" bekannten Brüdern Acher aus Weilheim.


Supergroup des Hörspiels: Micha Acher, Andy Ammer, Markus Acher

Das besondere an dem Stück, das auf einem historischen Originaltext über "Des Bayernkönigs Revolutionstage" von 1919 beruht: aufgenommen wurde es "live" im Schützenkeller von "Müllers auf der Lüften" in Farchach. Die "Hochzeitskapelle", bekannt auch von der "Oidn Wiesn", spielte die Musik und als Sprecher agierten u.a. der bekannte Krimiautor Friedrich Ani und der in Ambach lebende Bruder des Berger Pfarrers: Wowo Habdank.


Ammer & die Hochzeitskapelle samt Wowo Habdank bei der Produktion in Farchach (zum Vergrößern Bild anklicken)

Die SZ lobte das Stück, in dem der abgesetzte König schon mal im Graben landet oder sich hauptsächlich um seinen Hemdkragen sorgt, als "hochkomische Revue … mit großer Lust inszeniert, mal als Groteske, mal mit feiner Ironie".


Die Münchner Allstarband "Hochzeitskapelle" (mit Mitgliedern von "The Motwist", "Zwiebeldirn" und "Alien Ensemble" bei der Probe)

Musikalischer Höhepunkt ist eine Coverversion des Neil-Young-Klassikers "He was the King", in der sich der Krimiautor Friedrich Ani als wahrer Nachfahr von Johnny Cash outet: Hier vorab zum download:

Ammer & die Hochzeitskapelle feat. Friedrich Ani: "He was the King" (aus dem BR-Hörsoiel "The King is Gone" (zum Anhören anklicken)

Wer das unterhaltsame Stück lieber live sehen will: Einmalig wird das Stück am kommenden Dienstag (13.10) in Münchner Volkstheater aufgeführt. https://www.muenchner-volkstheater.de/spielplan/gastspiele/king-gone und erscheint nächste Woche auch als CD (intermedium records)



Nach der Ursendung am Freitag 9.10. ist das Hörspiel beim BR im download verfügbar: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspiel-king-gone-100.html

Montag, 15. Juni 2015

Heute vor 129 Jahren ...

… hat König Ludwig II. Berg für immer verlassen. Auch wurden dem König an diesem Tag Herz und Hirn entfernt. Und das ging so: Die königliche Leiche wurde - nachdem sie einen Tag lang in Schloß Berg aufgebahrt worden war - nächtens gegen 3 Uhr nach München gebracht und dort im Morgengrauen 5 Stunden lang untersucht. Das offizielle Ergebnis der Obduktion: "Nirgends sind Verletzungen an der Körperoberfläche … wahrnehmbar. Nur am rechten Knie ist eine ganz kleine ½ Zentimeter lange Hautabschürfung zu sehen." - Man bemüht sich allerdings, die staatlich attestierte Geisteskrankheit auch anatomisch festzumachen: "Das Hirngewicht entspricht mit 1394 Gramm nicht dem Körpergewicht. … Die graue Hirnrinde ist von geringem Durchmesser."

Auch das Herz wird - wie bei den Wittelsbachern üblich - herausgeschnitten und später in Altötting in einer Urne ausgestellt.

Der restliche Leichnam wurde 7 Stunden lang einbalsamiert. Um die geöffnete Hirnschale zu verbergen, bekommt Ludwig II. eine neue Frisur. Er wird in der Alten Hofkapelle ab 20 Uhr Abends öffentlich aufgebahrt. Die Kaiserin Sissi stiftet ein Jasmin-Bouquet, das dem König auf die Brust gelegt wird.



Ärzte, die die offizielle Version von der Geisteskrankheit des Königs bezweifeln, werden von der Regierung mit sanfter Gewalt zum Dementi gezwungen. Es sollte nur noch 32 Jahren dauern bis mit der Flucht König Ludwigs III. vor der bayerischen Revolution 1918 die ewige Dynastie der Wittelsbacher dann beendet wurde.

Die QUH hat im letzten Jahr in einer großen Serie minutiös die letzten Tage des Königs, alles was wir über ihn und seinen wahrscheinlichen Mord an Dr. Gudden wissen, rekonstruiert. Bitte klicken sie auf die einzelnen Tage hier:

http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-8-der-14-juni/
Der Todestag: http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-7-der-13-juni/
http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-6-der-12-juni/
http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-5-der-11-juni/
http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-4-der-10-juni/
http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-3-der-9-juni/
http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-2-der-8-juni/
http://quh.twoday.net/stories/ein-koenig-stirbt-folge-1-der-7-juni/

Oder rechts in der Themenleiste auf "König Ludwig II" klicken: http://quh.twoday.net/topics/König%20Ludwig%20II/

Donnerstag, 19. Februar 2015

Wo des König Ludwigs Zweiten all seine Schlösser stehn ...

Es gibt unzählige Filme über König Ludwig II., aber so einen noch nicht: QUH-Chef Andreas Ammer hat sich letztes Jahr mit seinem Kamerateam und Axel Milberg, samt seiner Frau Judith nachts allein auf Schloss Neuschwanstein einsperren lassen, um das authentische Lebensgefühl von König Ludwig II in dessen letzten Lebensjahren rekonstruieren zu können.


Nachts im Museum: Axel Milberg besucht König Ludwig

In der BR-Produktion "Das letzte Schloss", die heute, Donnerstag Abend um 22 Uhr 30 im Bayerischen Fernsehen urgesendet wird, erkundet der Tatort-Kommissar Axel Milberg mit seiner Frau, der Kunsthistorikerin Judith Milberg nächtens die düsteren Königsgemächer in dem letzten von König Ludwig erbauten "Traumhaus".


Nächtliches Selfie im Thronsaal: Judith Milberg mit Sabin Tambrea, dem König Ludwig-Darsteller, und ihrem Mann Axel Milberg

Ein Teil der Dreharbeiten fand in Berg am Ludwigs-Kreuz statt, wo Ammer unter anderen das japanische Ukulelen-Duo "Coconami" in Gummistiefeln das König-Ludwig-Lied anstimmen ließ:


Coconami weiß wo in Berg die Freiheit wohnt (anklicken)

Einige Fragen, die ihn dem Film beantwortet werden: Wie wurde der König verhaftet? Was verbindet ihn mit Michael Jackson? Hat er seine letzte Notdurt im Starnberger See verrichtet? - Mehr zur Sendung hier: http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/lido/milbergs-neuschwanstein-100.html

Sonntag, 15. Juni 2014

ein König stirbt: Folge 9 - der 15. Juni

Am 15. Juni werden die Leichname des Königs und seines Arztes nach München gebracht. Gegen 3 Uhr erreicht Ludwigs Leiche die Residenz. Gegen 8 wird sie einer 5-stündigen Obduktion unterzogen. Das Ergebnis ist eindeutig: "Nirgends sind Verletzungen an der Körperoberfläche … wahrnehmbar. Nur am rechten Knie ist eine ganz kleine ½ Zentimeter lange Hautabschürfung zu sehen." - Man bemüht sich obendrein, die Geisteskrankheit auch anatomisch festzumachen: "Das Hirngewicht entspricht mit 1394 Gramm nicht dem Körpergewicht. … Die graue Hirnrinde ist von geringem Durchmesser." Man entnimmt - wie bei Wittelsbachern üblich - das Herz, um es als in einer extra Urne nach Altötting zu bringen. Die medizinischen Aussagen über den Geisteszustand sind nach heutiger wissenschaftlicher Auffassung nicht haltbar. Dann wird der Leichnam 7 Stunden lang einbalsamiert und für die Aufbahrung hergerichtet. Der König bekommt - um die Hirnsektion zu verdecken - eine neue Frisur. Um 20 Uhr wird der König in der Alten Hofkapelle aufgebahrt. Auf der Brust ein von Kaiserin Sisi gepflücktes Jasmin-Bouquet.



Ärzte, die die offizielle Version von der Geisteskrankheit des Königs bezweifeln, werden von der Regierung zum Dementi gezwungen.

Samstag, 14. Juni 2014

Ein König stirbt: Folge 8 - der 14. Juni

Mit dem Tod des Königs ist die Tragödie noch lange nicht beendet. Wahrscheinlich werden die Leichen von König Ludwig II. und Dr. Gudden zuerst in die fast einen Kilometer entfernte Bootshütte des Fischers Lidl (Seestraße 11) gebracht. Einer anderen Theorie nach werden sie in das näher gelegene Badehaus des Schlosses transportiert. Die Regierung läßt dieses jedenfalls noch am gleichen Tag abreißen.


Um 2 Uhr Nacht erfährt es die Presse: Extrablatt - Der König ist todt!

Die Starnberger Gerichtskommission, die spätestens gegen 2 Uhr nachts am Unglücksort eintrifft stellt angesichts des königlichen Leichnams fest: "Über Verletzungen … ist negativer Befund zu konstatieren." Bei Dr. Gudden findet man hingegen Schlag- und Kratzwunden, ein Fingernagel ist abgebrochen; man findet ihn am Mantel des Königs wieder.


Die Totenmasken von König Ludwig (links) und Dr. Gudden (samt der Beule über dem rechten Auge)

Fraglich ist freilich, ob es eine unabhängige Untersuchung der Leichen gegeben hat. Der Oberlamtgerichtsrat Arnold beschwert sich: "Dem Amtsarzt war es nicht gestattet, die Leichen aufzudecken, geschweige denn auf die Todesursache hin zu untersuchen. Es wurde von ihm nur erwartet, daß er den bereits mehrfach konstatierten Tod nochmals bestätigt."

Um 6 Uhr morgens wird Ludwigs Bruder Otto I. zum König erklärt und wegen dessen Regierungsunfähigkeit ihr Onkel Kronprinz Luitpold als Prinzregent eingesetzt.


Auszug aus dem regierungstreuen Sterbebuch der Pfarrei Aufkirchen: unter No. 16 ist vermerkt: "Seine Majestät Ludwig II", Beruf "König v. Bayern", unter Todesursache rechts: "Hat sich in seiner Geisteszerrüttung selbst in den Tod gestürzt." / Bei N.. 17 "Dr. Bernhard von Gudden" steht "Ist bei dem Versuch, den König zu retten, ertrunken."

Während die Berger Unglücksstelle gut 10 Mal von unterschiedlichen Kommissionen mit unterschiedlichen Ergebnissen untersucht wird, nimmt die Berger Bevölkerung Abschied vom König. Der Zutritt zum Schloß ist bei den chaotischen Zuständen ungehindert möglich. In München wird Prinzregent Luitpold "Königsmörder" gerufen; Preußen sichert ihm im Falle eines Aufstandes zu, "jeden Schutz zu gewähren".


Die genaueste Skizze der Spuren am Unglücksort stammt vom Bezirksbautechniker Franz Xaver Haertinger, der den Ort als letzter untersuchte

Am Ufer finden sich die Schirme von Dr. Gudden und König Ludwig, sowie der Mantel des Königs mit dem abgerissenen Fingernagel des Königs. Dann führen Spuren 16,5m direkt in den See, wo ein Kampf stattgefunden haben könnte. Weitere Fußspuren führen - lt. Haertinger - von dort nach Nordosten. Sie gehen bei ca. 1,30m Wassertiefe, dem möglichen Todesort Ludwigs in in Schleifpuren über, die von den mit dem Rücken nach oben im Wasser treibenden Leichen stammen könnten.


Schematische Darstellung der unterschiedlichen Spurensuche von Haertinger (gelb) und der Gerichtskommission Starnberg (rot) durch in der Ausstellung über Dr. Gudden in Kloster Benediktbeuren

Königin Sisi in Feldafing weilend hält den Prinzregent für schuldig am Tod. Sie dichtet: "Seht den heuchlerischen Alten / Drückt ihn sein Gewissen nicht? Thut so fromm die Hände falten, / Sauersüß ist sein Gesicht."

Freitag, 13. Juni 2014

Ein König stirbt: Folge 7 - der 13. Juni

Den letzten Sonnenaufgang seines Lebens erlebt der König wach liegend. Trotzdem dürft er die Sonne nicht erblickt haben: Man weiß, daß es am 13.6, dem Pfingstmontag des Jahres 1886, eher kühl war und des öfteren in Strömen regnete. Bevor die Sonne hinter Pöcking am anderen Ufer versinkt, werden König Ludwig und Dr. Gudden nicht mehr am Leben sein.

Der König, der seit Mitternacht wach ist, bittet gegen 6.15 Dr. Gudden zu sich. Der Besuch der Pfingstmesse in Aufkirchen wird dem König untersagt. Einem Zeitungsroman von 1953 entstammt das Gerücht, dass unterdessen in der Villa von Ludwigs ehemaligem Stallmeister Richard Hornig (zeitweise wohl ein Liebhaber des Königs) in der Assenbucherstr. 79 mit dem Herzog Ludwig von Bayern, (dem Bruder von Kaiserin Sisi) an einem Fluchtplan für den König gearbeitet wird. Der junge Leibfischer Lidl soll des Nachts den König zu einer am Schloßtor wartenden Kutsche bringen.

Um 11 Uhr begeben sich Dr. Gudden und König Ludwig II. auf einen Spaziergang in den Park. Der Pfleger wird gebeten zurück zu bleiben. Ein Kahn mit Richard Hornig und Graf Lambardi an Bord, befindet sich auf dem See. Man unterhält sich, rastet auf einer Bank und kehrt gegen 12.15 wieder ins Schloß Irrenhaus zurück. O. Herfeld behauptet 1953, bei diesem Spaziergang hätte der Fischer Lidl dem König geheime Zeichen für die abendliche Flucht geben können. Belegbar ist das nicht. Am

Nachmittag unterhält sich der König mit seinem Stabskontrolleur Zander und dem Arzt Dr. Müller.


Notiz des Stabskontrolleurs Zander über das letzte Gespräch mit König Ludwig: "Ich sprach von der Ehrenhaftigkeit S.K.M. des Prinzen Luitpold, der bestimmt nach Recht verfahren wird. - Ja das sieht man an was geschehen, und wenn selbst diese es" (den König umbringen; Anm. d. QUH) "nicht thun, so würden es die nachfogenden prinzen thun. S.M. machte sich wiederholt lustig über die Vorsichtsmaßregeln, welche man gemacht, damit sich S.M. nichts thun."

Um 16.30 gibt es Abendessen. Der König hat guten Appetit, trinkt zum Essen Bier, 5 Gläser Wein und 2 Schnäpse. Während des Essens interviewt ein amerikanischer Reporter Dr. Gudden und erzählt ihm, dass im Wirtshaus von Leoni erzählt werde, der König würde am nächsten Tag in München erscheinen. Dieser bittet Dr. Gudden nun um den vereinbarten Spaziergang.


13. Juni; 18 Uhr 35: "Es darf kein Pfleger mitgehen." Dr. Gudden bedeutet dem Pfleger Mauder bei seinem Spaziergang mit dem König, zurückzubleiben. Das Gegenteil war vorgeschrieben. Der Arzt geht links vom König.

Der Arzt und der entmachtete König haben Mäntel und Schirme dabei. "Das Wetter ist schlecht, regnerisch und ziemlich windig", notiert der Hofkoch Theodor Hierneis, der das Abendessen vorbereitet: "Kraftbrühe, ein Omelette mit Bries und Brathuhn mit Spargelsalat, abschließend Aprikosenkompott". Währenddessen wandelt das ungleiche Pärchen im Schlossgarten Richtung Süden. Was an dem Abend weiter passiert, ist bis heute nicht ganz gesichert.


18 Uhr 50: Der König entledigt sich seines Mantels und seines Schirms … wahrscheinlich ist er - eventuell um zu flüchten - ins Wasser des Sees gerannt. Auf dem See waren den ganzen Tag trotz des schlechten Wetters Boote zu sehen. Sein Arzt könnte ihm - mit Mantel - gefolgt sein. (Das Bild gibt die Kleidungsstücke falsch wieder)


18 Uhr 53 und 40 Sekunden (oder 19 Uhr 24): die Uhr des Königs bleibt stehen. Pfleger Mauder hatte allerdings beobachtet, dass sie 30 Minuten nachging. Kam es zum Kampf zwischen dem 1,91 Meter großen, 2 Zentner schweren, alkoholisierten Ludwig II und seinem erheblich kleineren, 62-jährigen Leibarzt? - Auf der rechten Stirn des Arztes findet sich jedenfalls später ein blauer Fleck, der von einem Faustschlag stammen könnte. Sein Hut ist zerknüllt. Wie Ludwig und Gudden ums Leben kommen, ist unklar.


20 Uhr 06 und 25 Sekunden: die Uhr von Dr. Gudden bleibt infolge des Eindringens von Wasser stehen. Die diensthabenden Gendarmen Lauterbach, Klier und Lechl haben bereits mit der Suche nach den im Schloss Berg Vermissten begonnen.

In den folgenden Stunden beginnen alle verfügbaren Personen den Ex-König und seinen Arzt zu suchen. An der Südseite des Parks finden sich Wagenspuren. Um 22 Uhr 30 gibt es ein erstes Telegramm von Berg nach München: "Seine Majestät um ½ 7 mit Medizinalrat Dr. von Gudden im Park spazieren gegangen und bis zur Stunde nicht zurück. … Bitte um weitere Befehle." - Kurz darauf werden - ineinander steckend - der Mantel und das Jackett des Königs sowie sein Schirm und Hut im Wasser des Sees gefunden.


23 Uhr 10: Der "Leibfischer" des Königs, Jacob Lidl, findet zusammen mit dem Schlossverwalter Huber und dem Nervenarzt Dr. Müller die im See treibenden Leichen. Der Ex-König im Hemd. Die völlig bekleidete Leiche Guddens treibt "eine Tischlänge" dahinter.


24 Uhr: Nach langen Wiederbelebungsversuchen stellt Dr. Franz Carl Müller amtlich den Tod fest.

Die Geschichte vom Fischer Lidl, der einerseits die Leiche des Königs fand, dem andererseits zugetraut wird, eine zentrale Rolle in einem möglichen Rettungsplan für den König gespielt zu haben, findet sich hier im Blog unter: http://quh.twoday.net/stories/die-moegliche-geschichte-vom-ableben-und-auffinden-koenig-ludwigs-ii/

Donnerstag, 12. Juni 2014

ein König stirbt: Folge 6 - der 12. Juni

Der Zeitplan für den Abtransport von König Ludwig war vom Ministerrat abgesegnet: um 4 Uhr Abfahrt von Hohenschwangau, gegen Mittag Ankunft in Berg. Um Mitternacht war die zweite Fangkommission nach 10-stündiger Reise auf Neuschwanstein eingetroffen; diesmal kann sie ungehindert das Schloß betreten. Ein wachhabender Gendarm rät zur Eile: "Der König versucht, sich umzubringen." Kammerdiener Mayr verrät: "Schon mehrmals hat er den Schlüssel zum Turm verlangt. Wahrscheinlich will er von dort in die Tiefe springen. Wir haben ihm gesagt, der Schlüssel sei verlegt."

Nach offizieller Darstellung wird dem - sichtlich angetrunkenen - König eine Falle gestellt: ihm wird gesagt, der Turmschlüssel sei gefunden; er stürmt zum Turm, dort erwartet ihm Dr. Gudden mit den Worten: "Majestät sind von vier Irrenärzten begutachtet worden, und nach deren Ausspruch hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen. Ich habe den Befehl, Majestät nach Schloß Berg zu begleiten, und zwar noch in dieser Nacht. Wenn Majestät befehlen, wird der Wagen um 4 abfahren.". Der König wird ins Schlafzimmer gebracht; dort erkennt er Dr. Gudden, den er vor 14 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte, als er in sein Amt berufen hatte.

Gegen 4 Uhr nachts beginnt der Abtransport. Man fährt mit 4 Kutschen. In der dritten sitzt allein mit abmontierten Türgriffen der König.



Unterwegs werden 2x in Peißenberg und Steingaden die Pferde gewechselt. Um 9 Uhr 45 gibt es im Wald zwischen Weilheim und Seeshaupt eine viertelstündige Toilettenpause für den König. Beim letzten Pferdewechsel in Seeshaupt unterhält sich der König mit der dortigen Gastwirtin Therese Vogl, die ihm ein Glas Wasser bringt. "Danke! Danke! Danke!" antwortet Ludwig und flüstert Therese noch etwas zu, was zu Verschwörungstheorien um eine mögliche Befreiungsaktion geführt hat. Das berühmte Trinkglas wird von der Familie noch lange aufbewahrt:

"Bevor ins Wellengrab er sank
von Geistesnacht umhüllt,
nahm er daraus den letzten Trank
sein Wunsch ward ihm erfüllt.
Und eine Träne fiel hinein,
eine Perle soll dem Glas sie sein."


Der legendäre letzte Halt (auf der Postkarte ist ein falsches Datum angegeben)

Der Zug stoppt vor dem Eintreffen in Berg um 12 Uhr 30 noch ein letztes Mal in Leoni, wo auch ein paar Semmeln gekauft werden. Inzwischen ist das ehemalige Schloß Berg zu einer improvisierten Heil- & Pflegeanstalt umgerüstet worden: Die Klinken wurden abgeschraubt, die Türen mit Gucklöchern versehen in die Fenster werden gerade Löcher für Gitterstäbe geschlagen.

Mittagessen um 13.30: Rheinsalm, Kartoffeln, Rindfleisch mit Grünerbsen, Wasser statt Rotwein. Auf dem Tisch liegen nur stumpfe Messer. Das Geschirr wird auf geheime Botschaften untersucht.

Gegen 15 Uhr geht der König zu Bett und verlangt um Mitternacht geweckt zu werden. Der Arzt Dr. Müller verbietet das: Majestät muss zur Ordnung gebracht werden, daß der Tag zum Tag und die Nacht zur Nacht gemacht wird."

Durch Berg selbst patroullieren Gendarmen. Nach dem Bericht von Oskar Maria Graf ordnen sie an: "Ab heute ist es verboten, nach Einbruch der Dunkelheit die Straße zu betreten, Besuche zu machen oder sich in der Nähe der Schloßmauern oder oben am Parkzaun sehen zu lassen. Das ist streng untersagt." Die Bevölkerung hält sich nicht daran. Auch auf dem See sind Kähne zu sehen, die vor dem Schloß auf und ab fahren. Oskar Maria Graf: "Das Maul soll jeder halten, und unseren König wollen sie wegräumen?! Ganz insgeheim wollen sie ihn umbringen wie einen Lumpen! Diese Sippschaft!"

Der König wird zwar nicht geweckt, wacht aber gegen 23.45 auf. Seine Kleider werden ihm verweigert. Er verlangt wenigstens nach Strümpfen, da ihm kalt sei. Er ißt ein Stück Brot und eine Orange.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Ein König stirbt: Folge 5 - der 11. Juni


Frühe Ahnung später Kämpfe: Kinderkritzelei von König Ludwig II.

Der 11. Juni 1886, ein Freitag, ist der letzte Tag den König Ludwig noch einigermaßen in "Freiheit" verbringt. Nach dem peinlichen Scheitern der ersten Aktion wird von der Regierung aus München eine zweite Fangkommission losgeschickt. Sie wird nur noch aus Dr. Gudden, seinem Assistenten von Müller, 5 Krankenpflegern und 2 regierungstreuen Gendarmen bestehen. Auf dem Schloß Neuschwanstein wurde bis auf 5 Diener und einen Friseur alles überzählige Personal nach München befohlen.

Um 2 Uhr 35 werden von der bayerischen Regierung alle Telegrafenstationen für Ludwig II. gesperrt. Auch damals war dies ein illegaler Akt. So kann Ludwig weder die Armee zu Hilfe rufen, noch auf Bismarcks guten Rat hören, sich einfach in München zu zeigen. Ludwig ist auf seinem Schloß von der Außenwelt abgeschnitten. Vorschläge seines Kutschers Osterholzer zur Flucht lehnt der König zunächst angeblich mit den Worten ab: "Um meinetwillen soll kein Blut vergossen werden." Seinen Kammerlakai Mayr, den Friseur Hoppe und den Kutscher Osterholzer bittet der König hingegen am Vormittag, ihm Gift zu besorgen.


Die letzten Königstreuen: Flügeladjutant Graf Dürckheim, rät zur Flucht / der Kutscher Osterholzer will sie ermöglichen

14 Uhr: Während sich in München die zweite Fangkommission - diesmal mit dem Linienzug - erneut auf den gut 10-stündigen Weg zur Gefangennahme eines Königs macht, möchte Ludwig spazieren gehen. Allein die regierungstreuen Gendarmen, die das Schloß umstellt halten, machen das unmöglich.

Um 18 Uhr speist der König allein im Sängersaal. Ein vom Küchenpersonal verlangtes Küchenmesser bekommt er nicht ausgehändigt. Draußen ist es regnerisch und kalt.


Der Sängersaal von Neuschwanstein, wo Ludwig das letzte Mal in Freiheit und Einsamkeit speiste in einer kolorierten Photographie

Währenddessen wird in München Ludwigs letzter Verbündeter, der Graf Dürckheim als Hochverräter verhaftet. Als Ludwig sich doch zur Flucht entschieden hat, kann sein getreuer Kutscher längst nicht mehr zu ihm durchdringen. "Von der höchsten Stufe des Lebens hinabgeschleudert zu werden in ein Nichts - das ist verlorenes Leben. Das ertrage ich nicht. Daß man mit die Krone nimmt, könnte ich verschmerzen, aber daß man mich für irrsinnig erklärt, überlebe ich nicht."

Gegen 21 Uhr fängt der König an, sich allein zu betrinken. Man bringt ihm eine Kanne Rum mit Gewürznelken, Cognac, Wein und Champagner. Er raucht übermäßig viel und sagt zum Lakai Mayr: "Ertrinken ist ein schöner Tod, da wird man nicht verstümmelt. Aber, wenn man sich in die Tiefe stürzt, wird man so sehr entstellt. … Besorg mir den Schlüssel zum Turm." - Die Diener behaupten, der Turmschlüssel sei "verlegt", freilich hätte sich der König leicht auch vom Balkon in den Tod stürzen können (Gemälde von Friedrich Leeke, nach 1886).

Irgendwann nach Mitternacht trifft die 2. Fangkomission in Neuschwanstein ein. Nachts um 4 Uhr soll der Transport von Ludwig nach Berg erfolgen. Der König hat keine 48 Stunden mehr zu leben.

Fortsetzung folgt morgen … an dieser Stelle.

Dienstag, 10. Juni 2014

Ein König stirbt: Folge 4 - der 10. Juni

Vom Balkon seines Schlafzimmers beobachtet König Ludwig II, am 10. Juni um 3 Uhr 30 Nachts das Herannahen der teils alkoholisierten "Fangkommission". Zu seinem Leibdienern gewandt bemerkt der theatererfahrene Regent: "Die Sache kommt mir vor wie ein mißlungenes Schauspiel."


Zimmer mit schlechter Aussicht: vom Balkon dieses Schlafzimmers sah Ludwig seine Häscher herankommen

Vor dem verschlossenen Schloßtor wurde die Fangkommission von 10 alarmierten Gendarmen empfangen: "Im Namen seiner Majestät, niemand darf das Schloß betreten!". Die Fangkommission beginnt zu verhandeln, verweist auf ihr Schreiben des Prinzregenten, es kommt zum Handgemenge, während dem auch eine Flasche Chloroform zu Bruch geht. Die resolute Baronin Spera von Truchseß, die von der Aktion Wind bekommen hatte, verjagt schließlich am frühen Morgen die frustrierte Kommission mit ihrem Regenschirm und skandiert: "Hoch lebe der König!"


"Im Namen Seiner Majestät des Königs" setzt der Onkel des Königs. Prinzregent Luitpold, Ludwig II. am 10. Juni offiziell ab

Währenddessen wird Morgends um 10 Uhr in München offiziell die Regentschaft von Prinzregent Luitpold (rechts ein Portrait von ca 1891) öffentlich bekannt gemacht. Die Bevölkerung ist skeptisch bis rebellisch. Frank Wedekind notiert: "Man erwartete allgemein, der König werde seinen Wächtern entfliehen und nach München kommen, wo er jedenfalls mit lautem Jubel empfangen worden wäre."

Genau dies rät ihm auch Ludwigs letzter Verbündeter, der Graf Dürckheim. Der König lehnt das Vorhaben, das vielleicht seine Rettung bedeutet hätte, ebenso ab wie eine Flucht nach Tirol: "Ich sehe viel zu schlecht aus, um mich in der Öffentlichkeit zu zeigen." - Mit den letzten Resten seiner Macht hat es der König geschafft, die Fangkommission verhaften zu lassen und im Torbau von Neuschwanstein gefangen zu halten.

Die mit Bleistift geschriebenen Anweisungen des Königs sind drastisch: "Die ärgsten fesseln lassen. Holnstein u. Minister. … Knebeln lassen … Alle sehr stark schlagen lassen. - … Mit festen Stricken binden u. bis aufs Blut peitschen lassen." - Nachdem gegen 13 Uhr die offizielle Regentschaftsproklamation eintrifft, kommen die Gefangenen frei, bevor diese Befehle ausgeführt werden.

König Ludwig II. ist nun Gefangener auf seinem eigenen Traum von einem Schloß. In München beschließt man, ihn nach Berg zu bringen, da die Bevölkerung in Hohenschwangau und bei Linderhof zu aufgebracht sei. Nach dem Mißerfolg der ersten reist eine zweite "Fangkommission" an.

Fortsetzung folgt: lesen Sie morgen an dieser Stelle vom geheimen Fluchtplan und von der rauschenden letzten Nacht des Königs in "Freiheit".


Gefangen in seinem Traum: das Schloß Neuschwanstein zur Zeit von Ludwig II. letztem Aufenthalt im Jahre 1886

Montag, 9. Juni 2014

Ein König stirbt: Folge 3 - der 9. Juni

"Fang den König!", so könnten die Aktionen vom 9. Juni des Jahres 1886 umschrieben werden. Da Prinzregent Luitpold sich nicht traut, seiner Majestät die Nachricht von der Entmündigung zu überbringen trifft, macht sich von München aus eine 11-köpfige "Fangkommission" auf. Man trifft sich zur Palastrevolution am Bahnsteig. Der Sonderzug mit 5 Beamten und Ministern, 2 Ärzten (darunter Dr. Gudden) und 4 Krankenpflegern - aber ohne den Prinzregenten - verläßt den Bahnhof um 16 Uhr 30.

Am 9. Juni - berichtet die in Münsing aufgewachsene Schriftstellerin Kadidja Wedekind - hatte sich oben am Burgtor krächzend ein Unheil verkündendes Krähenpaar eingenistet, das sich nicht vertreiben lies. - In dem Moment, als die Fangkommission München verläßt, könnte Ludwig II. auf seiner Baustelle Neuschwanstein …


Der Zustand von Neuschwanstein im Todesjahr, Photo Joseph Albert 1886

… gerade mit der Morgentoilette beschäftigt sein. Normalerweise stand der König erst zwischen 14 und 18 Uhr auf. Er frühstückte gegen 19 Uhr, um Mitternacht gibt es Mittagessen, dann meist eine nächtliche Ausfahrt, die sogenannte "Mitternachtnachmittagsfahrt", …


Nevermore: Der elektrifizierte König fährt mit Glühbirnen durch die Nacht

… bei der oft die technisch revolutionäre, weil mit elektirischen Glühbirnen erleuchtete Kutsche zum Einsatz kam (Edison hatte die Glühbirne erst 1879 erfunden). Danach gab es üblicherweise ein Abendessen gegen 6 Uhr früh.

Die Fangkommission plant, den König nach Schloss Linderhof zu bringen. Graf Holnstein - Mitglied der "Fangkommission" - hat dort alles für eine Internierung vorbereiten lassen. Als die Truppe kurz vor Mitternacht in Hohenschwangau ankommmt, sind die Fenster von Neuschwanstein erleuchtet: der König ist anwesend, ahnt aber - entgegen der bayerischen Presse - von nichts. Gegen 2 Uhr Nachts will er sich auf seine nächtliche Fahrt begeben … daraus wird nie wieder etwas werden.

Die Fangkommission nimmt währenddessen noch ein nächtliches Souper ein. Es regnet unaufhörlich. Man diskutiert darüber, ob man den König mit einer Zwangsjacke abführen soll. Im Pferdestall trifft Graf Holnstein - angeblich reichlich alkoholisiert - gegen 1 Uhr Nachts den Kutscher des Königs, Osterholzner, der gerade befehlsgemäß die Pferde bereitmacht. Holnstein fährt den Kutscher an: "Der König hat überhaupt nichts mehr zu befehlen" … Osterholzner seinerseits warnt darauf den König. Dieser alarmiert nach anfänglichem Unverständnis die Gendarmerie und Feuerwehren in Füssen und läßt das Schloß absperren. Gegen 3 Uhr 30 beobachtet der König von seinem Schloß herab, wie sich die Fangkommission dem Schloßtor nähert …

Fortsetzung folgt.


Hier erreichte den König die Schicksalsnachricht: das Speisezimmer von Neuschwanstein (Photo Verlag Franz Hanfstengl um 1900)

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