Bürgerforum

Mittwoch, 4. November 2009

Schweinegrippe im Selbstversuch - 2. Tag: In der Praxis

CIMG2355
Dr. Patrick Raithel impft in Berg

QUH: Herr Dr. Raithel, die Berger waren bislang offenbar nicht sehr impfwillig.

Dr. Raithel: Das stimmt. Die Nachfrage war bis Ende letzter Woche gleich Null. Kein einziger Patient hatte sich wegen einer Impfung gegen die Neue Grippe gemeldet. Wir impfen das Mittel Pandemrix, das von der Apotheke in Fläschchen zu einem Preis von etwas über 100 € abgegeben wird. Dieses Fläschchen muss innerhalb von 24 Stunden "verimpft" werden, daher sollten wir aus wirtschaftlichen Gründen immer mindestens 7-8 Patienten für die Impfung zusammen haben.

QUH: Die Zeitungen sind heute voll von Meldungen über die Neue Grippe. Hat sich die Situation jetzt verändert?

Dr. Raithel: Oh ja. Ich hatte am Wochenende Notdienst und habe zehn Fälle der Neuen Grippe diagnostiziert. Wenn Sie die Graphik des Robert-Koch-Instituts ansehen, stellen Sie fest, dass die Zahl der Neuinfektionen in Bayern dramatisch zugenommen hat. Die Bevölkerung wacht jetzt auf – dementsprechend groß ist seit gestern der Andrang in meiner Praxis. Gestern haben wir das erste Fläschchen aufgebraucht, heute wurde das dritte geöffnet.

QUH: Welche Risiken geht man bei der Impfung ein?

Dr. Raithel: Bei der Impfung beraten wir noch eingehender über die Nutzen-Risiko-Abwägung als bei der Impfung gegen die saisonale Grippe. Bei einem neuen Impfstoff ist die Sensibilität von Presse und Bevölkerung extrem hoch. Ein geringes Impfrisiko besteht bei jeder Impfung, über langfristige Impfkomplikationen können wir, da der Impfstoff gerade erst zugelassen worden ist, derzeit keine Informationen geben. Die Ärzte sind deshalb aus meiner Sicht jetzt besonders gefordert, die Patienten umfassend aufzuklären.

QUH: Befürworten Sie die Impfung?

Dr. Raithel: Definitiv. Wir haben jetzt nachweislich eine Pandemie. Im Moment ist der Verlauf in den meisten Fällen harmlos, aber je mehr ein Virus sich verbreitet, desto höher das Mutationsrisiko. Ziel der Impfung ist es, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren und damit gleichzeitig auch das Risiko einer Virusmutation zu verringern.

QUH: Sind Sie selbst geimpft?

Dr. Raithel: Ja, und auch meine Mitarbeiterinnen. Mit Ausnahme der üblichen Lokalreaktion habe ich die Impfung gut vertragen.

QUH: Herr Dr. Raithel, wir danken für das Gespräch.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

280 Mio für Europas Milchbauern

Michael Friedinger ist Landwirt aus Farchach und Landkreisvorsitzender für Starnberg im Bund deutscher Milchviehhalter (BDM). Er streitet für einen fairen Milchpreis und eine flexible Milchmengensteuerung ohne Belastung des Steuerzahlers. Am Montag war er wieder einmal unterwegs: Zusammen mit 7000 Bauern aus ganz Europa demonstrierte er in Luxemburg anlässlich einer Sitzung der EU-Agrarminister. Um halb fünf Uhr nachmittags wurde dann die Bereitstellung eines Sonderfonds bekannt.

CIMG1730


QUH: Jetzt gibt’s 280 Mio aus Brüssel. Freut Sie das?

Michael Friedinger: Freuen ist übertrieben. Auf alle Milchviehhalter in Europa umgelegt bedeutet das 0,2 Cent für jeden. Davon kann keiner überleben. Aber immerhin.

QUH: Wie sollte das Geld Ihrer Meinung nach am sinnvollsten eingesetzt werden?

Michael Friedinger: Wir vom Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) fordern speziell den Rauskauf von Milchmengen, die dann für den Markt nicht mehr zur Verfügung stehen. Weniger Menge, höherer Preis. Für sinnvoll halte ich auch die Förderung von Projekten wie die Schulmilch.

QUH: Dass die EU-Kommissarin das Geld locker gemacht hat, ist auch das Verdienst von Bundesministerin Ilse Aigner. Sind Sie zufrieden mit ihr?

Michael Friedinger: Jein. Wir haben im Vorfeld viele Gespräche mit der Ilse gehabt. Sie steht halt zwischen zwei Fronten: den Milchbauern und dem Bauernverband. Und dann sind da noch 27 andere Staaten. Das ist natürlich nicht einfach.

QUH: In Berlin wird wild um Posten geschachert. So wie es aussieht, wird Ilse Aigner auf ihrem Stuhl sitzen bleiben…

Michael Friedinger: Unseren Informationen nach nicht. Die FDP erhebt Anspruch auf das Ministerium. Und die wollen einen freien Markt, das wäre ganz negativ für uns.

QUH: Werden Sie nun am Wochenende wieder schön brav zu Hause bleiben oder wird weiterhin Milch auf die Felder gekippt?

Michael Friedinger: Das war eine einmalige Aktion. Aber es wird andere Aktionen geben. Etwa Montagsdemonstrationen. Die EU-Kommission hat ja jetzt einen Monat Zeit zu entscheiden wie die 280 Mio. verwendet werden sollen, solange werden wir uns an den Montagsdemonstrationen in Weilheim beteiligen. Heute ist übrigens auch etwas geplant in Oberhausen, südlich von Weilheim. Aber da bin i ned dabei. I muss ja auch mal was am Hof tun.

Vielen Dank für das Gespräch.

Samstag, 10. Oktober 2009

Etztalstraße & Bäckergasse: Erstmalige Erstellung oder Ausbau?

Die Anwohner der Berger Etztalstraße und der Bäckergasse wurden in einer nicht öffentlichen Versammlung über Planung und Kosten des Ausbaus in einer Anwohnerversammlung informiert. Es ging hoch her.
Etztal1
Fakt ist: Im Bereich zwischen Perchastraße und Bäckergasse wird die Etzaltalstraße auf einer Breite von 5,50 m geteert und auf 1,50 m mit Rasenpflaster belegt. So soll der Verkehr beruhigt und Parkplätze bereitgestellt werden.
etztal2
In der Bäckergasse und der Etztalstraße bis zur Johannisgasse bleibt die Straße unverändert und erhält gegenüber vorher nur einen Belag, einen Randstein und eine Entwässerung.

Um diese Baumaßnahme entsteht nun ein kolossaler Streit: Für die etwa 30 Anwohner, die bisher im Glauben waren, in einer erschlossenen Straße zu leben, war zunächst interessant, welche Kosten auf sie umgelegt werden sollen, hatten sie doch sehr kurzfristig erfahren, dass sie den überwiegenden Teil dieser Kosten zu tragen hätten.

IMG_0294
Ist hier irgendwo eine Straße?

Karl Brunnhuber, der den noch kranken BM vertritt, und der RA der Gemeinde, Herr Geißlinger erläuterten, nach welchen Regeln festgelegt wird, welche Satzung bei der Umlage der Gebühren verwendet wird: Nur wer für seine Straße bereits einmal die Ersterstellung bezahlt hat oder dessen Straße einen frostsicheren Beleg, eine Entwässerung (Bestimmung seit 1940) und Randsteine hat, muss keine 90% der Kosten für die Ersterstellung, sondern 35 – 65% für den Ausbau zahlen. Herr Geißlinger und das Landratsamt STA sind - anders als die Anwohner - der Meinung, dass diese Bedingungen hier nicht gelten und die Anwohner 90% der Kosten (ca. 420.000€) tragen müssen. Die Kosten werden in Abhängigkeit von Grundstücksgröße, Anzahl von Geschossen und privat oder gewerblich genutztem Haus berechnet. Das Bauamt hatte bereits für alle Anwohner, die zu erwartenden Kosten mit einem Eigenanteil von 90% berechnet.

Hiermit waren die Anwohner erwartungsgemäß nicht zufrieden und suchen nach anderen Lösungen. GR Dr. Haslbeck zählte kurz die Gegenargumente des Anwalts der Anwohner - der nicht anwesend war – auf, mit denen die Beiträge auf 65% oder sogar vielleicht auf 35% gesenkt werden könnten. Karl Brunnhuber versprach die Argumente überprüfen zu lassen, sobald diese schriftlich vorliegen.
IMG_0291
Etztalstraße: Trügerische Idylle

In der weiterhin hitzigen Debatte im Rathaus wurden verschiedene Möglichkeiten zur Kostensenkung diskutiert. z.B. der Verzicht auf Rasensteine und Teeren der Straße über die gesamte Breite.

Der GR wird in der nächsten Sitzung entscheiden müssen, wie die Etztalstraße wiederhergestellt wird, damit die Straße bis Wintereinbruch wieder geteert ist.

Nachtrag: Ein offener Brief einer Anwohnerin, der den Sachverhalt aus ihrer Sicht schildert, und ein weiterer Leserbrief eines erbosten Etztalanwohners finden sich hier im Kommentar.

Freitag, 9. Oktober 2009

DIE WEIDE NEBENAN: Sprungbrett ins Berger Internet

sprungbrett

Unsere Rubrik DIE WEIDE NEBENAN (rechts Mitte) ist das schnelle Sprungbrett zu allen wichtigen Berger Einrichtungen und ihren Internetseiten: Rathaus, Sportvereine, Kulturverein, Burschenschaften, Schützenvereine, Feuerwehren, Kirchen, Schulen, Krankenhäuser und sogar Photograph und Wetter - alles finden Sie unter www.quh-berg.de.

Zwischen zwei Stühlen - Interview mit Karl Brunnhuber

DSCF0001
Hat gut lachen: Karl Brunnhuber, heute auf dem Stuhl des Bürgermeisters

Er hat geschafft, was keinem seiner Parteikollegen in jüngster Zeit gelungen ist: die Regierungsübernahme durch einen alten Sozi - wenn auch nur vertretungsweise. Wie fühlt sich Karl Brunnhuber am Hebel der Macht?

QUH: Herr Brunnnhuber, Sie sitzen seit 1978 im Gemeinderat - nun sind Sie als Stellvertreter aufgrund der Erkrankung von Bürgermeister Monn erstmals längere Zeit im Einsatz. Macht Ihnen diese Arbeit Spaß und schaffen Sie das neben Ihrer Berufstätigkeit überhaupt?
Karl Brunnhuber: Ich betrachte das als Herausforderung (die hat man in meinem Alter ja nur noch selten - lacht). Wir schaffen das schon, es erfordert allerdings Disziplin. Ich kann in meiner Kanzlei delegieren und auch viele Wochenendtermine auf den 3. Bürgermeister übertragen. Ich konzentriere mich mehr auf die Verwaltungsarbeit und repräsentiere weniger. Zwei, drei Jahre könnte ich das nicht durchhalten, aber diese Zeit kann ich überbrücken.

QUH: Fallen während Ihrer Amtszeit irgendwelche wichtigen Entscheidungen an und können Sie eigene politische Akzente einbringen?
Karl Brunnhuber: Das ist jetzt schon anders als bei einer Urlaubsvertretung, wo man manche Dinge einfach aufschiebt - ich muss jetzt Entscheidungen treffen, mit denen ich Rupert Monn nicht belasten will. Ich weiß natürlich nicht, ob Rupert immer genauso entschieden hätte. Und wichtige Themen liegen durchaus an: Wir haben die Anwohnerversammlung Etztalstraße, wir müssen entscheiden, ob und welche Photovoltaikanlagen wir errichten wollen, der MTV Platz wird gebaut, die Belegung der Turnhalle Biberkor muss vertraglich geregelt werden...

QUH: Haben Sie neue Sprechzeiten? Wie kann der Bürger Sie erreichen?
Karl Brunnhuber: Es bleibt alles beim Alten. Die Sprechstunde ist wie gehabt am Freitag zwischen 8 und 9:30 Uhr. Ansonsten kann man im Vorzimmer anrufen und einen Termin ausmachen.

QUH: Was sagen Sie zum Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl?
Karl Brunnhuber: Ungünstig. lacht

QUH:Wissen Sie, wie es Bürgermeister Monn geht? Wann kommt er wieder?
Karl Brunnhuber: Er ist bis zum 17.10. in der Reha, es soll ihm ganz gut gehen. Wann er wieder ins Amt zurückkehren will, weiß ich nicht, da ich ihn bewusst von allem freihalte.
QUH: Herr Brunnhuber, wir danken für das Gespräch.
Karl Brunnhuber: Ich muss jetzt auch zum Laufen! Ich bin ja am Samstag beim Landkreislauf dabei...

Nachtrag: Die SPD bittet uns noch, mitzuteilen, dass sie für morgen, Samstag, einen Besuch der islamischen Gemeinde Penzberg (samt Moschee) organisiert hat. Machen wir gern: Treffpunkt ist um 13.15 vor dem Berger Rathaus, Anmeldung erbeten unter Sissi.Fu@web.de.

Montag, 21. September 2009

Amtseinführung von Pfarrer Habdank

Im übervollen Katharina-von-Bora-Haus führte Dekan Axel Piper vor Vertretern aus Kirche, Politik (2 GR und ein 3. BM), Schule, Presse und Gemeinde Pfarrer Johannes Habdank in sein Pfarramt ein.
einfuehrung
Foto: Christiane Hoffelner

Johannes Habdank wohnte ab 1979 mit seiner Familie auf der Maxhöhe, studierte Volkswirtschaft und Theologie und war anschließend 14 Jahre als Leiter von verschiedenen Altenwohnstiften des Augustinums tätig. Seit 2002 hat Pfarrer Habdank gemeinsam mit seiner zweiten Frau Regine und seiner Tochter wieder seinen Hauptwohnsitz in Berg.

Als im Frühjahr klar wurde, dass nach langer Krankheit von Pfarrer Zultner die Pfarrstelle neu besetzt werden muss, war zuerst nicht sicher, dass sich Pfarrer Habdank auf die Stelle bewerben würde. Um so größer war die Freude, als er sich doch zur Bewerbung entschloss und dieses Amt bekam. Nach einer langen Übergangszeit ist es schön, wieder einen hauptamtlichen evangelischen Pfarrer zu haben.
pfarrer_habdank
Foto: Christiane Hoffelner

Seine langjährige Erfahrung im Pflegemanagement will Pfarrer Habdank im Ökumenischen Kranken- und Altenpflegeverein beim „Betreuten Wohnen“ einbringen und sich gleichzeitig stärker um Familien und „mittelalte“ Gemeindeglieder kümmern.

Montag, 22. Juni 2009

Berühmte Berger feiern: Heute, Montag, Dr. Peter Gauweiler

Er hat ein Schiff gemietet und fährt heute zu seinem 60. Geburtstag mit seinen Gästen samt Polizeischutz rund um den leider verregneten See: Dr. Peter Gauweiler, unsere schnauzbärtige Stimme im Bundestag (wo er als Direktkandidat der CSU im Wahlkreis München Süd antritt und ihn stets gewinnt).

gauwepe0
Glückwunsch dem heutigen Jubilar: Dr. Peter Gauweiler (Foto: Webarchiv Bundestag)

Herr Dr. Peter G. war früher bekannt für seine Skandale und unkonventionellen politischen Ideen. Heute lässt er es etwas ruhiger angehen, trifft sich gerne mit Lafontaine zum öffentlichen Disput und vertritt immer noch Ideen, die nicht unbedingt auf der CSU-Parteilinie liegen. Er trat gegen den Irak-Krieg ein, er klagt gegen den europäischen "Vertrag von Lissabon", er steht dem Tornado-Einsatz in Afghanistan kritisch gegenüber, er stimmte - als einer von 4 Abgeordneten - gegen die Einführung der gefährlichen "Vorratsdatenspeicherung" und bezeichnete den Transrapid schon mal als "teuerste Vorortbahn der Welt".

Da, wo daheim ist, in unserer Gemeinde hält sich der Jubilar politisch zurück. Man sieht ihm beim Dorffest, aber Ehrenmitglied im Trachtenverein ist er in Großhadern. Wir von der QUH trafen Dr. Gauweiler zuletzt, als wir beim Fischer Andrä köstliche Austern schlürften. Da kam der Herr Bundestagsabgeordnete einkaufsbereit zur Tür herein, bemerkte sogleich mit scharfen Blick auf unsere Austern: "Aha, die Krise ist also auch bei uns angekommen!" ... und bestellte sich flugs selbst eine Sammlung Meeresgetier, um sie mit lautem Lob auf den Wirt mit uns zu schlürfen. Auch glauben wir uns zu erinnern, - das ist schon etwas länger her - dass uns Dr. Gauweiler damals nach unserem Einzug in den Gemeinderat einmal mit breitem Grinsen und gerecktem Daumen aus seinem Auto heraus gratuliert hat. Das können (und werden wir, falls die CSU nachfragt) natürlich missverstanden haben.

Außerdem gefällt uns, dass es jetzt auch ein Gauweiler-TV gibt; allerdings hat dies bisher erst 105 Besucher gehabt. Mal sehen, wie viele es morgen - nach diesem Artikel - sind:


Wie auch immer: Einen herzlichen Glückwunsch über die Parteigrenzen hinweg!

Donnerstag, 18. Juni 2009

Glückwunsch Jürgen!

Wir können sagen, was kaum jemand auf der Welt von sich behaupten kann: Jürgen Habermas, der stets kritische Aufklärer, freie Geist und zur Zeit einer der berühmtesten Philosophen der Welt, ist einer von uns! Heute begeht er - gefeiert von der Welt und in aller Ruhe - in Starnberg seinen 80. Geburtstag. Alle Interviewwünsche zu diesem Anlaß hat er abgelehnt.

508px-JuergenHabermas_retouched
Einer der größten lebenen Philosophen: Jürgen Habermas

Erst vor einigen Wochen gab es in Berg Gelegenheit, ihn zu hören. Nicht öffentlich, nicht bei einem seiner vielen Vorträge, zu denen er weltweit eilt, nein, er saß im Oskar-Maria-Graf-Stüberl rechts im Eck und amüsierte sich samt Familie köstlich bei einer Diskussion mit Michael Krüger (dem Hanser-Verlagschef und Wahl-Berger). Bis auf die Straße hinaus drang seine laute, feste und beilebe nicht immer deutliche Stimme. Es gab Weißwein. Und so können wir stolz behaupten, dass Jürgen Habermas, der Philosoph, der weltweit für seine "Theorie des kommunikativen Handelns" berühmt ist, bei uns die "Praxis des kommunikativen Handelns" übt.

Samstag, 28. März 2009

Links der Bürgermeister - rechts Esoterik. Das "Ortsporträt Gemeinde Berg"

Am Freitag erschien in der Starnberger SZ eine doppelseitige Großanzeige mit der hochtrabenden Überschrift "Ortsporträt Gemeinde Berg".

IMG_0245
Einige örtliche Betriebe und Handwerker waren angesprochen worden: zu relativ günstigen Preisen konnten sie Anzeigen schalten, der Bürgermeister ("Liebe Leserinnen, liebe Leser") schrieb ein Grußwort, in dem er jeden bittet, "ortsansässige Betriebe bei Einkäufen und Auftragsvergaben zu berücksichtigen". - Alles wunderbar!

Große Verwunderung muß allerdings angesichts der - namentlich nicht gezeichneten - pseudoredaktionellen Texte auf der Anzeigenseite angemeldet werden. Im Artikel "Auf dem Weg in die Zukunft" werden die politischen Großprojekte "Betreutes Wohnen", "MTV Berg Nord", "Ortsdurchfahrt Bachhausen" und "Gewerbefläche Höhenrain" halboffiziell und mit vielen Bürgermeisterzitaten vorgestellt. Werbung in eigener Sache. - Wenn es sein muß: ok!

Man erfährt, wieviele Wohnungen es im "Betreuten Wohnen" geben wird und dass dem Gemeinderat beim MTV-Trainingsplatz "die umweltverträgliche Gestaltung des Areals mit viel Grün" wichtig sei (wissen das die Gemeinderäte?). - Ob sich für das brachliegende Gewerbegebiet in Höhenrain jetzt viele Firmen melden werden, nachdem das Gelände mit den Worten angepriesen wurde, dass die Gemeinde neben der Autobahn Betriebe wünscht, "von denen nicht zu große Immissionen durch Lärm, Abgase oder Lieferverkehr ausgehen", mag dahingestellt sein.

Ganz haarsträubend sind die anderen "Artikel", die typische Betriebe unserer Gemeinde vorstellen:

IMG_0249
Höhenrain, hier wird im Juni ein "Trachtenstüberl" entstehen.

Angepriesen wird im pseudoredaktionellen Teil der Anzeige keiner unserer tollen und typischen Fischer, Malermeister oder Metzger, nicht der alteingesessene "Radl-Sepp", der neue Buchladen (sie alle haben Anzeigen geschaltet) oder der schicke neue "Hunter's Hill", sondern halbseitig ein Höhenrainer "Trachtenstüberl", das sich leider noch monatelang in der Bauphase befindet. Weiterhin: eine Naturheilpraxis ohne Adresse, aber mit falscher Namensnennung (Theda, nicht Thea!) und eine Praxis, die eine ausführlich beschriebene "craniosacrale Therapie" zur Heilung bei '"Migräne, chronischer Sinusitis, Zahn- und Kieferschmerzen" anbietet. ("Kinder & Erwachsene / Hausbesuche und Fernheilungen").

Ein kleiner QUH-Tip: Die Ausbildung zur "Craniosacral-Therapeutin" kann jeder machen. Die komplette Ausbildung gibt es ab 250€ und ist in 2 Tagen abgeschlossen; vgl. hier einen Artikel der SZ.

Nein, ich fühle mich durch dieses "Ortsportrait" nicht nur nicht getroffen, ich halte es für gefährlich. Als ordentlicher Handwerker, der jahrelang gelernt hat, einen Fisch zu fangen, eine Wand zu streichen, eine elektrische Leitung zu legen oder ein Stück Fleisch zu zerlegen, würde ich mich ausgenützt fühlen, wenn mit dem Geld meiner Anzeige eine esoterische Praxis mit Fernheilungen als ortstypisch portraitiert wird. Als Lokalpolitiker fühle ich mich verhöhnt, wenn ernsthafte Projekte (z.B. "Betreutes Wohnen") gleichrangig mit zweifelhaften Therapietechniken ("An- und Abschwellen des Gehirnwassers") beschrieben wird.

IMG_0247
Mit Esoterik für Berg werben! Wer hat gezahlt?

Wir als Gemeinderäte haben keine Kenntnis davon, inwiefern die "Gemeinde Berg" diese kommerzielle Anzeige finanziell unterstützt hat. Zumindest hat die Gemeinde für das "Ortsporträt" nicht nur das bürgermeisterliche Grußwort und Sachinformationen, sondern auch Bilder zur Verfügung gestellt. Zu diesen finden sich idiotisch banale Bildunterschriften. Zur Wallfahrtskirche Aufkirchen heißt es: "in Berg wartet man sehnsüchtig auf den Frühling". Die Votivkapelle sei "Treffpunkt der Anhänger von König Ludwig II" und zu einem Foto vom Höhenrainer Trachtenumzug heißt es: "Die Pflege von Brauchtum und Tradition hat in Berg einen großen Stellenwert". - Ich hätte nie gedacht, dass ich in der Karikatur einer oberbayrischen Trachtlergemeinde mit esoterischen Neigungen königstreu auf den Frühling warte. - Und wer war eigentlich Oskar Maria Graf?

Mittwoch, 25. März 2009

Fragen an das BRK

Demnächst wird der Gemeinderat über die Trägerschaft für das Betreute Wohnen-Projekt in Berg entscheiden. Die QUH befragte dazu als erste aus der Gruppe der sich um die Betreiberschaft bewerbenden Institutionen Herrn Ulses vom BRK .

ma_ulses_kl
Martin Ulses
Bereichsleiter Senioren und Pflege, stellvertretender Geschäftsführer des BRK Kreisverbands Starnberg

QUH: Wird sich das BRK weiterhin als Träger für das Betreute Wohnen in Berg bewerben?
MU: Ja, natürlich - wir waren vor zwei Jahren bereits zu einem
Sondierungsgespräch eingeladen und haben auch jetzt großes Interesse.

QUH: Welche Erfahrungen hat das BRK mit ähnlichen Projekten gemacht? Gibt es Defizite ähnlich denen im Kindergartenbereich?
MU: Wir haben in Herrsching ein sehr ambitioniertes, qualitativ hochwertiges und zertifiziertes Betreutes Wohnen. Eine weitere Anlage haben wir in Gauting. Dadurch haben wir Erfahrungen gesammelt - bemühen uns aber gleichzeitig um ständige Verbesserung.
Falls Defizite entstehen würden, würden wir diese selbst tragen, nicht die
Gemeinde. Wir begreifen das Betreute Wohnen als satzungsgemäßen Auftrag, dem wir gerne und mit Freude nachkommen.

QUH: Worin bestünden die Vorteile einer Trägerschaft des BRK für Gemeinde und Bewohner?
MU: Wir profitieren natürlich von unserer Arbeit in den anderen beiden
Wohnanlagen, so dass durch unsere Erfahrung und Kompetenz Synergieeffekte entstehen. Wir haben ein eigenes Hausnotrufsystem und sind in allen angegliederten Bereichen (z.B. Vermittlung von hauswirtschaftlichen Kräften, soziale Betreuungsangebote) auch sehr erfahren. Ziel ist es natürlich auch, sich mit der Gemeinde zu verknüpfen, z.B. kulturelle Veranstaltungen in der Wohnanlage anzubieten. Wir würden den Bedarf abfragen. Unser originäres Interesse ist es, mit der Gemeinde zu kooperieren und als Schnittstelle zwischen Gemeinde und Bewohnern unseren Beitrag zu leisten.

QUH: Herr Ulses, vielen Dank für die Antworten.

QUH

Litfaßsäule

clip_image001

Aktuelle Beiträge

Kreisel der Woche
Jetzt wird es ernst: die nächste Gemeinderatssitzung...
Hirte - 2009/11/06 17:31
Schweinegrippe im Selbstversuch...
Nebenwirkungen? - Mit einem Wort: Ja (und zwar nicht...
ammer - 2009/11/05 21:37
Schweinegrippe im Selbstversuch...
Nach den Horrormeldungen über die Ausbreitung...
ammer - 2009/11/04 21:08
Schweinegrippe im Selbstversuch...
Dr. Patrick Raithel impft in Berg QUH: Herr Dr. Raithel,...
Elke Link - 2009/11/04 12:09

QUH-Zähler

Blogger Status

Du bist nicht angemeldet.

QUH Suche

 

Status

Online seit 1283 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2009/11/07 09:55

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB


Gemeinderat-News
QUH wählen!
QUH-Kontakt
Wahlversprechen
(1) Energiekonzept
(2) Jugend & Sport
(3) Kultur-Events
(4) Ortsmitten Berg
(5) Wirtschaft
Parteien
QUH-Kandidaten
Adventskalender
Betreutes Wohnen
Bürgerforum
Filme aus Berg
Heimat & Natur
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren